Drei Fragen an... Grit Hanneforth vom Kulturbüro Sachsen

Das EFBI stellt an dieser Stelle regelmäßig seine Kooperationspartner aus der Zivilgesellschaft vor und stellt ihnen Fragen über ihre Arbeit. Den Auftakt macht Grit Hanneforth, Geschäftsführerin des Kulturbüros Sachsens, das seit vielen Jahren Bevölkerung und Kommunen im Freistaat über Akteure und Strukturen der extremen Rechten informiert und bald 20 Jahre alt wird. Dazu gratulieren wir recht herzlich!

 
EFBI: Seit wann gibt es das Kultur­büro Sachsen und welche Ziele verfolgt es?
 
Hanneforth: Das Kultur­büro Sachsen arbeitet seit 2001 gemeinsam mit Menschen in sächsischen Dörfern und Städten an der Stärkung einer lebendigen, demokratischen Zivil­gesellschaft und wird im Juli 2021 20 Jahre alt. Die Menschen­rechte sind unsere Orientierung. Unser Motto „Uns interessieren Veränderungen“ ist die Basis, auf der wir einen Beitrag zu einer emanzipatorischen Gesell­schaft in Sachsen leisten wollen. Diese Vision leitet unsere Über­legungen und unser Handeln im Alltag.
Unsere Angebote sind partei­politisch und religiös unabhängig. Sie richten sich an alle Menschen, insbesondere auch Verwaltung, Religions­gemeinschaften, Jugend- und Bildungs­einrichtungen, Initiativen und Bündnisse, deren Anliegen wir mit ihnen gemeinsam weiterentwickeln. Im besten Falle entstehen dabei lokale Strategien und Konzepte.
Analysen und Recherchen zur extremen Rechten und neu­rechten Ent­wicklungen im Bundes­land sind ein Marken­kern unserer Arbeit. Die Ergebnisse fließen in unsere Beratung ein und sind die Grundlage für unsere Bildungs­angebote.

EFBI: Wie wird die Zusammen­arbeit zwischen dem Kultur­büro und dem EFBI gestaltet werden?
 
Hanneforth: Wir freuen uns sehr, dass in Sachsen das EFBI gegründet worden ist. Seit vielen Jahren sehen wir einen Bedarf für Transfer zwischen Wissenschaft und Praxis in Sachsen. Dringend benötigt werden aus unserer Sicht Situations­analysen der extremen Rechten und neu­rechter Strömungen, ebenso wie eine wissenschaftliche Begleitung von zivil­gesellschaftlicher Arbeit und ein Monitoring von Einstellungen in der sächsischen Bevölkerung. Gerne stellen wir dem EFBI unsere 20-jährige Expertise in Lokal- und Regional­analyse, Beratung und Netzwerk­arbeit zur Verfügung, vom Land bis in die Dörfer, die wir gerne mit den wissen­schaftlichen Expertisen des EFBI verbinden und diskutieren möchten.
Gleichzeitig freuen wir uns, dass das EFBI eine psycho­soziale Beratung für Initiativen anbietet, die in krisen­haften Situationen von Bündnissen, Netzwerken und Initiativen in Anspruch genommen werden kann. Toll wäre es auch, wenn das EFBI in einzelnen sächsischen Kommunen, die ein oder andere umfassende Sozial­raumanalyse umsetzen würde. Da fallen uns einige Orte ein, in denen das sehr sinnvoll wäre.

EFBI: Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Zivilgesellschaft in Sachsen?
 
Hanneforth: Ich wünsche mir vom EFBI, dass die wissenschaftliche Arbeit dazu beiträgt, die Notwendigkeit und die Rolle der Zivil­gesellschaft in Sachsen – insbesondere auf dem Land – mit wissenschaftlichen Analysen zu untersetzen. Dabei könnten einerseits auch zivil­gesellschaftliche Perspektiven deutlicher gemacht werden und anderseits diese in die wissenschaftlichen Analysen und Präsentationen des EFBI einfließen. Insbesondere ist es mir ein Anliegen, dass die Perspektive von Menschen mit Migrations­erfahrung in Sachsen gestärkt wird, da diese Perspektive oft noch marginalisiert ist.
Langfristig wünsche ich mir ein wachsendes Verständnis dafür, dass eine staatlich unabhängige Zivil­gesellschaft in einer Demokratie kein Projekt ist, sondern elementarer und dauerhafter Bestandteil sein muss. Die kritische Reflexion staatlichen Handelns durch die Zivil­gesellschaft trägt mit dazu bei, dass ein freier, demokratischer Rechts­staat auch ein solcher bleibt. Diese Rolle wollen wir gemeinsam mit anderen auch in Zukunft gern annehmen.
 
Die Fragen stellten Pia Siemer und Tilman Meckel.

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